Hagener Objekte: Medaille „Notopfer der Stadt Hagen“ Aus dem Buch

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„Hagener Stücke – 111 Objekte aus dem Stadtmuseum“ präsentiert der Fachdienst Wissenschaft, Museen und Archive der Stadt Hagen eine vergoldete Medaille zum „Notopfer der Stadt Hagen“ aus dem Jahr 1949, die auf den Lüdenscheider „Notpfennig“ zurückgeht.

Die vergoldete Medaille „Notopfer der Stadt Hagen“ wurde 1949 in Lüdenscheid hergestellt. Die Vorderseite zeigt neben der Umschrift „Notopfer der Stadt Hagen 1949“ die Ruinen des Rathauses und der Johanniskirche. (Foto: Heike Wippermann)

Die Anregung und der Entwurf zur Hagener Medaille stammen von dem in Hagen geborenen Willi Gauchel. Nach seiner Ausbildung als Bautechniker sowie Bühnenbildner am Theater Hagen lebte er als freier Grafiker und Maler in Lüdenscheid. Dort hatte er bereits 1947 den „Notpfennig“ der Stadt Lüdenscheid, das Vorbild für die Hagener Medaille, entworfen. Mit dem Erlös der Münze sollten in der frühen Nachkriegszeit die Not und das Elend in der Stadt gelindert werden. Der erzielte Gewinn war beachtlich: Der Verkauf des „Notpfennigs“ brachte im Jahr 1947 67.000 Reichsmark und 1948 25.000 Deutsche Mark (DM) ein.

Die Medaille zum „Notopfer der Stadt Hagen“ wurde 1949 von der Metallwarenfabrik Steinhauer & Lück GmbH in Lüdenscheid hergestellt und im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege in Hagen herausgegeben. Die Vorderseite zeigt neben der Umschrift „Notopfer der Stadt Hagen 1949“ die Ruinen des Rathauses und der Johanniskirche. In der Mitte ist vermutlich Lazarus von Bethanien mit seiner Schwester Maria zu sehen. Auf der Rückseite präsentiert sich das Hagener Eichbaumwappen.

Hagener Medaillen brachten kaum Gewinn
Die Fabrik stellte von der Hagener Medaille verschieden große Ausführungen in den Farbtönen Gold, Silber und Bronze zu unterschiedlichen Verkaufspreisen her. Die vergoldete Ausführung mit 70 Millimeter Durchmesser kostete beispielsweise 100 DM. Bronzierte Medaillen waren günstiger: Eine 50 Millimeter große Ausgabe war zum Beispiel für 10 DM erhältlich. Trotz Werbung und Preisausschreiben konnte von den insgesamt 4.500 gefertigten Medaillen bis 1955 nur die Hälfte mit einem Erlös von 20.547 DM verkauft werden – eine schlechte Bilanz im Vergleich zum Erlös des Lüdenscheider „Notpfennigs“. Die zahlreichen, noch vorrätigen „Notopfer“ verschwanden 1955 aus dem offiziellen Angebot der Hagener Stadtverwaltung. Erst 1971 wurde eine größere Anzahl von Medaillen im Lager des ehemaligen städtischen Leihhauses entdeckt, die als Sammlerstücke in den Münz- und Medaillenhandel gelangten.

Die Medaille zum „Notopfer der Stadt Hagen“ wird ab 2022 im Stadtmuseum Hagen zu sehen sein.