Camus als Ermutigung – an der Apollo-Fassade

am
c Apollo-Theater Siegen

Ein überraschender Satz von Albert Camus prangt an
der Fassade des Apollo-Theaters: „Man muss sich Sisyphos als einen
glücklichen Menschen vorstellen.“ Nach Hölderlins Worten „Wo aber
Gefahr ist, da wächst das Rettende auch“ sendet das Apollo-Theater nun
mit den Worten des französischen Dichters Zeichen der Ermutigung in
die Stadt: „Wie leer wäre unsere leere Stadt in diesen Zeiten ohne sie“,
sagt Intendant Magnus Reitschuster.
Der Dichter Camus trifft genau die gesellschaftliche Situation: Wer hat
nicht gerade das Gefühl, dass alle Anstrengungen unternommen
werden, um der Ausbreitung des bedrohlichen Virus‘ zu begegnen? Und
man muss immer wieder von vorne anfangen – wie Sisyphos. Dessen
Schicksal ist es, dass der Stein, den er in täglicher Schwerstarbeit auf
den Gipfel wälzt, immer wieder hinabrollt. Glücklich, so Camus, ist der
Mensch, der eine solche Sisyphos-Aufgabe annimmt, bejaht und klaglos
alles unternimmt, um sie zu erfüllen. Jeden Tag aufs Neue. In die
Alltagssprache übersetzt heißt das: „Muss ja!“
Nun aber besteht die Hoffnung, dass der Stein, den wir im Winter nach
oben zu wälzen haben, vielleicht im Sommer bereits oben bleibt – wenn
der Impfstoff eingesetzt werden kann und seine Wirkung zeigt. „Die
Hoffnung ist ins Gelingen verliebt“ (Ernst Bloch) lautet die Botschaft auf
der Sieg-Seite des Theaters, die seit dem März nichts von ihrer
Bedeutung verloren hat.