Dieter Hallervorden Nonstop auf der Bühne

am

An seinem 85. Geburtstag wird Dieter Hallervorden endgültig im
Himmel angekommen sein: Dann feiert er die Premiere von „Gottes
Lebenslauf“, worin der Mime Gottvater selbst spielt, der nach
abgeschlossener Schöpfung nach neuen Herausforderungen sucht
und sich bewirbt.

Szene2 (c) DERDEHMEL-Urbschat
(c) DERDEHMEL-Urbschat

Neue Herausforderungen hat Dieter Hallervorden lebenslang gesucht.
1935 in Dessau geboren, begann er zunächst ein Romanistik-Studium
an der Humboldt-Universität in Berlin, floh 1958 wegen der
eingeschränkten Meinungsfreiheit nach West-Berlin und studierte dort
weiter. Parallel nahm er Schauspiel-Unterricht. 1960 gründete er mit
Kollegen zusammen das Kabarett „Die Wühlmäuse“, nachdem die
bereits etablierten „Stachelschweine“ ihn nicht hatten haben wollen.
Schon bald folgten Fernseh- und Filmauftritte. Er tat sich als Satiriker
und Komiker hervor. Die Slapstick-Serie „Nonstop Nonsens“ machte ihn
endgültig populär.
Doch Dieter Hallervorden hat sehr viel mehr zu bieten: In seinem langen
Berufsleben ist er nicht nur Kabarettist und Komiker gewesen, sondern
auch Schauspieler, Sänger, Synchronsprecher, Moderator und
Theaterleiter. Seine besondere Verbundenheit zu den „Brettern, die die
Welt bedeuten“ zeigt sich auch in den beiden Theatern, die er bis heute
leitet: 2008 übernahm Hallervorden das nicht mehr bespielte und seit
Jahren unwirtschaftliche Schlosspark Theater in Berlin-Steglitz, – da war
er bereits 73 Jahre alt. Er mietete das Theater gleich für mindestens
zehn Jahre, baute es um und sanierte es mit reichlich eigenem Geld und
Herzblut. So sicherte er das Bestehen des Theaters bis heute. Für die
„Wühlmäuse“ kaufte Hallervorden 2010 eine feste Bleibe am Theodor-
Heuss-Platz der Hauptstadt. Dort verfügt das Ensemble über einen
Theatersaal mit 516 Sitzplätzen. Er ist Gastspielort für viele renommierte
Kabarettisten und Austragungsort für „Das große Kleinkunstfestival“.
Filmschauspielerische Höhepunkte hat Hallervorden noch 2013 in „Sein
letztes Rennen" und 2014 in „Honig im Kopf“ gesetzt.
In diesem Jahr musste Dieter Hallervorden die Herausforderungen nicht
lange suchen: Pandemie und Lockdown trafen den Privattheater-Leiter

mit voller Härte. Als einer der Allerersten schrieb er bereits im April einen
„offenen Brief“ an den Berliner Kultursenator sowie die
Kulturstaatsministerin mit Vorschlägen dafür, mit welchen Hygiene- und
Verhaltensregeln sich die Theater vielleicht schrittweise wieder öffnen
ließen: Vorschläge, wie sie heute allgemein umgesetzt sind.
„Meine Anregungen würden zwar die prekäre Situation speziell der
Privattheater nicht verbessern, aber sie würden die Mitarbeiter
motivieren“, schrieb er damals, und: „Vor allem würden sie den
Schauspielern helfen, ihre Existenzängste zu überwinden und nicht mehr
und mehr in Depressionen zu fallen.“
Am 5. September, seinem 85. Geburtstag, darf Hallervorden wieder in
seinem Schlosspark Theater spielen! Allerdings nur vor rund 100
Zuschauern, 473 würde das Theater zu normalen Zeiten fassen. Damit
es nicht so leer aussieht im Saal, möchte Hallervorden die freien Plätze
mit individuell gestalteten Puppen besetzen. Wer will, kann ihm eine
Puppe zum Geburtstag schenken! So lebt Hallervorden vor, wie man mit
einer Krise leben lernt: kreativ, zuversichtlich und mit dem nötigen
Humor.