Der Grimme-Preis 2020 mit vielen Preisen

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Grimme-Preis 2020: ARD erhält acht der insgesamt 17 Auszeichnungen

Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen: „Relevante gesellschaftliche Themen und Stoffe prägen die diesjährigen Grimme-Preise. Es freut mich deshalb besonders, dass viele ARD-Koproduktionen unter den Gewinnern sind. Gerade für uns im Ersten sind Relevanz, Verlässlichkeit und Informationskompetenz entscheidende Maßstäbe der Programmqualität. Die Preise in den Bereichen Fiktion, Information und Unterhaltung bestätigen und motivieren uns deshalb in unserer Arbeit. Ich gratuliere allen Preisträgerinnen und Preisträgern!“

Die Auszeichnungen im Einzelnen:

In der Kategorie Fiktion wurden zwei ARD-Koproduktionen 
ausgezeichnet:
"Hanne" (PROVOBIS für NDR/ARTE) an Beate Langmaack (Buch), Dominik 
Graf (Regie), Iris Berben (Hauptrolle)
"Eden" (Atlantique Productions/Port au Prince/Lupa Film für 
SWR/ARTE/ARTE France/ ARD Degeto) - Grimme-Preis Spezial für das 
Konzept einer europäischen Erzählung - an Constantin Lieb (Buch), 
Dominik Moll (Buch/Regie), Felix von Boehm und Jan Krüger 
(Produktion)
In der Kategorie Info & Kultur gingen Grimme-Preise an vier 
ARD-Koproduktionen
"Die Unerhörten - Über den Landtagswahlkampf in der Prignitz" 
(JABfilm für rbb) an Jean Boué (Buch/Regie) 
"SeaWatch3" (STRG_F/Panorama/NDR Dokfilm für NDR) an Nadia Kailouli 
(Buch/Regie/Kamera), Jonas Schreijäg (Buch/Regie/Kamera) 
"Wie 'Holocaust' ins Fernsehen kam" (Hanfgarn & Ufer für WDR/NDR/SWR)
an Alice Agneskirchner (Buch/Regie) 
Georg Restle (stellv. für die Redaktion von "Monitor"/WDR) - 
Grimme-Preis Besondere Journalistische Leistung - für die 
kontinuierliche und haltungsstarke Berichterstattung über 
Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus

In der Kategorie Unterhaltung erhielt „Chez Krömer“ (probono TV für rbb) einen Grimme-Preis. Ausgezeichnet wurden Kurt Krömer (Moderation), Michael Maier (Regie) und Friedrich Küppersbusch (Produktion).

Den Preis der Marler Gruppe/Publikumspreis erhielt „Der König von Köln“ (Zeitsprung Pictures/Dreamtool Entertainment für WDR). Ausgezeichnet wurden Ralf Husmann (Buch), Richard Huber (Regie) sowie Judith Engel, Serkan Kaya und Joachim Król (Darstellung)

Außerdem erhielt Heinrich Breloer die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes für seine Lebensleistung als Erfinder des Genres Doku-Drama, das er als Autor und Regisseur in vielen herausragenden Produktionen der ARD – zuletzt im vergangenen Jahr mit „BRECHT“ (Bavaria Fiction für WDR/BR/SWR/NDR/ARTE) – entwickelt hat.


WDR erhält 2020 drei Grimme-Preise „Besondere Ehrung“ für Heinrich Breloer

Der WDR kann sich bei der 56. Verleihung der Grimme-Preise über drei 
Auszeichnungen freuen. In der Kategorie Information & Kultur konnte 
sich der WDR gleich zwei Mal durchsetzen: Neben dem Dokumentarfilm 
"Wie 'Holocaust' ins Fernsehen kam" wurde Georg Restle 
stellvertretend für die Redaktion von "MONITOR" für "Besondere 
Journalistische Leistung" geehrt. Gewinner des Publikumspreises der 
Marler Gruppe ist der Film "Der König von Köln". Den Ehrenpreis der 
Stifter erhält Regisseur und Autor Heinrich Breloer.

MONITOR haltungsstark gegen Rechtsextremismus

Der Preis für eine "Besondere Journalistische Leistung" innerhalb der
Kategorie Information & Kultur wird Georg Restle stellvertretend für 
die Redaktion von "MONITOR" verliehen. Ausgezeichnet wird "die 
kontinuierliche und haltungsstarke Berichterstattung über 
Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus". Die Jury lobt den 
vorbildlichen medialen Umgang mit dem Thema, dessen Berichterstattung
von Anschuldigungen, Streit und dem Einsatz von Fake News geprägt 
sei. Hierbei hebt sie die genaue Recherche hervor sowie den Verzicht 
sensationalistischer und übertriebener Formulierungen, Bilder und 
Effekte.
Anerkennung erfährt Georg Restle zudem für seine Meinungsstärke als 
Redaktionsleiter. In seinen Kommentaren zeige er eine klare Haltung 
und verdeutliche, dass die Bedrohung für die Demokratie, die Freiheit
und die Menschenrechte real und gefährlich ist - ohne jedoch Panik zu
verbreiten. 

"Quantensprung in der Bewusstseinswerdung des Holocaust"

Ein weiterer Preis in der Kategorie Information & Kultur geht an 
Alice Agneskirchner (Buch und Regie) für den Dokumentarfilm "Wie 
'Holocaust' ins Fernsehen kam" (Hanfgarn & Ufer für WDR/NDR/SWR, 
WDR-Redaktion: Beate Schlanstein, Mathias Werth). Der Film beschreibt
die Produktions-, Ausstrahlungs- und Rezeptionsgeschichte der 
vierteiligen US-Serie "Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss" 
über den Genozid an den Juden.
"Alice Agneskirchner hat zahlreiche Protagonist*innen dazu gebracht, 
Auskunft zu geben, hat manchen von ihnen in einen mitunter 
schmerzhaften Erinnerungsprozess geführt und sensibel begleitet", 
urteilt die Jury. "Auf instruktive Weise ist es Alice Agneskirchner 
gelungen, der Vielschichtigkeit der Serie als fiktionales Produkt, 
ihrer Ausstrahlung als Medienereignis und deren Wirkung als eine Art 
Quantensprung in der Bewusstseinswerdung des Holocaust in der 
bundesdeutschen Gesellschaft gerecht zu werden und alle diese Aspekte
in ihrer Komplexität darzustellen und zu vermitteln."

Der König von Köln: "Bestes politisches Kabarett"

Mit dem Publikumspreis der Marler Gruppe wird 2020 "Der König von 
Köln" (Zeitsprung Pictures/Dreamtool Entertainment für WDR, 
WDR-Redaktion: Nina Klamroth) ausgezeichnet. Neben Ralf Husmann 
(Buch) und Richard Huber (Regie) erhalten Serkan Kaya, Judith Engel 
und Joachim Król den Preis für ihre darstellerische Leistung. In dem 
satirischen Film, den die Jury als "bestes politisches Kabarett" 
betitelt, wird ein einfacher Beamter des Bauamts zum Spielball 
einiger Superreicher, die bei einem geplanten Großbauprojekt mächtig 
absahnen wollen. "Das Buch von Ralf Husmann, das die Wirklichkeit des
Oppenheim-Esch-Skandals unverkennbar mitgeschrieben hat, ist 
mitreißend. Die gelungene Gesamtkomposition von der Musik über den 
Text ("Politik heißt, alles so lange im Ungefähren zu halten, bis es 
nicht mehr zu ändern ist") bis zum Zusammenspiel der Charaktere nimmt
die Zuschauer*innen intellektuell und emotional mit", so die 
Jurybegründung.

Heinrich Breloer erhält "Besondere Ehrung"

Die "Besondere Ehrung" des Deutschen Volkshochschul-Verbands geht in 
diesem Jahr an Regisseur und Autor Heinrich Breloer, der mit seinen 
Mehrteilern "Brecht", "Die Manns" oder "Speer und Er" (alle drei 
Bavaria-ARD-Koproduktionen unter Federführung des WDR) das Genre des 
Doku-Dramas prägte. "Mit der Besonderen Ehrung für Heinrich Breloer 
würdigt der Deutsche Volkshochschul-Verband den Mitbegründer und 
profiliertesten Autor und Regisseur des Doku-Dramas", sagt 
DVV-Direktor Ulrich Aengenvoort. 
Hintergrundinformationen zum 56. Grimme-Preis gibt es im Internet 
unter www.grimme-preis.de. Die Verleihung des 56. Grimme-Preises 
findet am 27. März im Theater der Stadt Marl statt und wird von 3sat 
zeitversetzt ab 22.40 Uhr im Fernsehen ausgestrahlt. Bereits ab 19.15
Uhr überträgt 3sat die Preisgala per Livestream auf www.3sat.de.

Grimme-Preis 2020: SWR gewinnt mit „Eden“

Heute (3. März) wurden in Essen die Gewinner des Grimme-Preises 2020 verkündet. Dieses Jahr gewinnt der SWR als Koproduzent einen „Grimme-Preis Spezial“ mit der deutsch-französische Produktion „Eden“ (SWR/ARTE/ARTE France/ARD Degeto) für das Konzept einer europäischen Erzählung. Ausgezeichnet wurden Constantin Lieb (Buch), Dominik Moll (Buch/Regie), Felix von Boehm und Jan Krüger (Produktion). Außerdem war der Sender als Koproduktionspartner am Dokumentarfilm „Wie ‚Holocaust‘ ins Fernsehen kam“ (WDR/NDR/SWR) von Alice Agneskirchner (Buch und Regie) beteiligt, der in der Kategorie Information & Kultur eine Auszeichnung erhielt. Die Grimme-Preise werden am 27. März 2020 in Marl verliehen.

SWR Intendant Kai Gniffke

„Die deutsch-französische Miniserie ‚Eden‘ ist keine leichte Kost: Es geht um unser Zusammenleben in Europa im Zeichen von Migration und Flucht. Und ‚Eden‘ widmet sich dem bestimmenden Spannungsfeld: Was ist wichtiger – Menschlichkeit oder Wirtschaftsinteressen? ‚Eden‘ erzählt berührende Geschichten von Menschen in Schicksalsmomenten ihres Lebens – mal miteinander verknüpft, mal lose, mal direkt verwoben mit den Mitteln des fiktionalen Erzählens und gerade deshalb so einprägsam und erkenntnisreich. Wir freuen uns sehr, dass die Jury das Projekt eines großen und so aktuellen europäischen Themas mit einem Spezialpreis würdigt. Gerade weil wir in diesen Tagen wieder erleben, wie konkret Europa sich dieser Frage widmen muss“, kommentiert SWR Intendant Kai Gniffke.

„Eden“

Die deutsch-französische Serie „Eden“ erzählt von Menschen, die in einem von Migration verunsicherten Europa als Alteingesessene oder Neuankömmlinge ihren Platz finden müssen. Sie wirft einen Blick hinter die Kulissen der EU-Politik und der privaten Sicherheitsindustrie, die Lebensrealität der ankommenden Flüchtlinge und die Reaktionen der europäischen Gesellschaft darauf. Fünf Handlungsstränge an verschiedenen Orten in Europa werden miteinander verknüpft, spannende Einzelschicksale lassen in unterschiedliche Welten eintauchen und entfalten ein Politdrama, das die Frage nach dem humanen Miteinander immer im Auge behält. „Eden“ wurde von Edward Berger, Nele Mueller-Stöfen und Marianne Wendt nach einer Idee von Jano Ben Chaabane und Felix Randau kreiert, Head-Autor ist Constantin Lieb. Regie führte Dominik Moll. „Eden“ ist eine Produktion von Lupa Film, Atlantique Productions und Port au Prince Film in Koproduktion mit ARTE, SWR, ARTE France und ARD Degeto sowie mit Nexus Factory und Umedia. Erstausstrahlung am 2. und 9. Mai 2019 auf ARTE.


Preisgekröntes Programm: Zwei Grimme-Preise für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)

Zwei Grimme-Preise kann der rbb in diesem Jahr für sich verbuchen: Mit dem Grimme-Preis 2020 wird der Dokumentarfilm „Die Unerhörten – Über den Landtagswahlkampf in der Prignitz“ in der Kategorie „Information & Kultur“ gewürdigt. In der Kategorie „Unterhaltung“ geht die Auszeichnung an die erste Staffel „Chez Krömer“.

rbb-Intendantin Patricia Schlesinger: „Beide Auszeichnungen stehen für das, was uns im rbb wichtig ist: journalistische Professionalität, Ideenreichtum bei der Themenfindung und Kreativität in der Formatkonzeption. Fernsehen ist immer Teamwork, doch den Preisträgern möchte ich ganz besonders für ihre herausragende Leistung danken – dem Dokumentarfilmer Jean Boué für seine hintergründigen Beobachtungen in der Prignitz und Kurt Krömer, Michael Maier und Friedrich Küppersbusch für die Show ‚Chez Krömer‘, in der Kurt Krömer als unberechenbarer Moderator seine Gäste in Berlin immer wieder neu herausfordert.“

Grimme-Preis für „Die Unerhörten“ in der Kategorie „Information & Kultur“

In seinem 65-minütigen Dokumentarfilm „Die Unerhörten – Über den Landtagswahlkampf in der Prignitz“ beobachtet Jean Boué im Wahlkreis Westprignitz den Wahlkampf um den Einzug in den Landtag Brandenburg. Der Regisseur, der selbst in der Prignitz lebt, begleitet fünf Kandidaten, die sich um das eine Direktmandat bewerben – von SPD, CDU, Grüne, Linke und AfD. Der Film zeigt, wie sich die Politiker mit den Menschen und ihrem Leben auf dem Land auseinandersetzen. Jean Boué fragt, warum sich dort Menschen häufig abgehängt und nicht gehört fühlen: Wie kommt es, dass diese „Unerhörten“ die Politik nicht mehr verstehen, die doch für sie gemacht wird?

Aus der Jurybegründung: „‚Die Unerhörten‘ bricht nicht die Bundespolitik aufs Lokale herunter. Es ist eher andersherum: Die kleinen Themen werden in die große Diskussion eingespeist. Die Region jedenfalls darf ihre eigenen Fragen stellen. Gleichwohl ist der Film, der als Beitrag zum gesamtdeutschen politischen Diskurs erkennbar ist, überregional relevant. (…) Es ist ein leichtgängiger, charmanter Film geworden, mit viel Sympathie für die Region, in der er spielt, und für die unstrategischen Herangehensweisen der Kommunalpolitiker.“

Buch und Regie von „Die Unerhörten“ hatte Jean Boué. Die Redaktion lag bei Ute Beutler (Produktion: Jab Film), die Erstausstrahlung war am 25.8.2019 im rbb Fernsehen.

Kurt Krömer zum zweiten Mal Preisträger in der Kategorie „Unterhaltung“

Der zweite Grimme-Preis 2020 für den rbb geht an die Show „Chez Krömer“, namentlich an Kurt Krömer (Moderation), Michael Maier (Regie) und Friedrich Küppersbusch (Produktion). Neun Jahre nach seinem ersten Grimme-Preis – für „Krömer – Die internationale Show“ (rbb) in 2011 – ist Kurt Krömer mit der ersten Staffel von „Chez Krömer“ nun erneut erfolgreich. In den vier Folgen stellen sich vier Gäste bei ihrem ganz persönlichen Verhör den provokanten Fragen des Moderators: Motivationstrainer Jürgen Höller, CDU-Politiker Philipp Amthor, Handball-Ikone Stefan Kretzschmar und der Juso-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert. „Die Gäste finde ich jetzt schon fürchterlich, aber genau darin liegt ja der Reiz“, so Krömer zum Start der Staffel im rbb Fernsehen. Als Berlin-Botschafter des rbb empfängt er seine prominenten Interviewgäste mit Schnauze und Herz, absurd-naiven Fragen, bösem Witz oder präzisem Konter.

So urteilt die Jury: „‚Chez Krömer‘ ist ein durch und durch ungewöhnliches Format, das Erkenntnisse liefert, die so im herkömmlichen Fernsehen höchst selten im Angebot sind. Wer zu Kurt Krömer in die Show kommt, kann sich niemals sicher sein. (…) Berechenbar ist da nur das Unberechenbare, die Gewissheit, dass meist alles anders kommt, als man vorher denkt. So etwas offenbart sich im deutschen Fernsehen sonst höchstens unter dem Mikroskop, bei ‚Chez Krömer‘ ist es die gute Übung, die dieses Format und seinen Formatträger so herausragend macht.“

Die erste Staffel „Chez Krömer“ erzielte bisher rund 2,2 Mio. Abrufe im Netz (Youtube, Mediathek, Website). Die Redaktion lag bei Jürgen Stark (Produktion: probono TV). Die erste der vier 30-minütigen Sendungen lief am 3.9.2019 im rbb Fernsehen.

Das Grimme-Institut hat heute (3.3.) bekanntgegeben, welche Fernsehsendungen und -leistungen in diesem Jahr als vorbildlich und beispielhaft ausgezeichnet werden. Die 56. Grimme-Preis-Verleihung findet am 27.3.2020 im Theater der Stadt Marl statt. Der Grimme-Preis gilt als einer der renommiertesten Fernsehpreise in Deutschland.


Drei Grimme-Preise für NDR

Drei NDR Produktionen und Koproduktionen bekommen einen Grimme-Preis 2020. Im „Wettbewerb Fiktion“ werden Darstellerin Iris Berben, Regisseur Dominik Graf und Autorin Beate Langmaack für den NDR/ARTE-Film „Hanne“ geehrt. Die NDR Autoren Nadia Kailouli und Jonas Schreijäg bekommen die renommierte Auszeichnung im „Wettbewerb Info & Kultur“ für ihren Dokumentarfilm „SeaWatch3“. Im gleichen Wettbewerb erhält Alice Agneskirchner für die Dokumentation „Wie ‚Holocaust‘ ins Fernsehen kam“ (WDR/NDR/SWR) einen Grimme-Preis.

NDR Intendant Joachim Knuth: „Alle drei Produktionen zeigen hervorragend, wie gesellschaftlich relevante und umstrittene Themen berührend und packend umgesetzt werden können. Ich gratuliere den Preisträgerinnen und Preisträgern und allen, die an diesen Filmen beteiligt waren und sie möglich gemacht haben, sehr herzlich!“

In „Hanne“ spielt Iris Berben eine Frau, die bei einer medizinischen Routineuntersuchung mit dem Verdacht auf eine schwere Krankheit konfrontiert wird. Sie entschließt sich, das Leben in der ihr verbleibenden Zeit radikal anders anzugehen als bisher. „Im Fernsehfilm kommen Frauen über 60 kaum vor, und wenn doch, dann als Klischee? ‚Hanne‘ liefert den seltenen Gegenbeweis. Und der fällt in einer formidablen Zusammenarbeit von Schauspielerin Iris Berben, Drehbuchautorin Beate Langmaack und Regisseur Dominik Graf so ernsthaft wie verspielt aus, so leichtfüßig wie abgründig, so stürmisch wie warmherzig“, urteilte die Jury. Die Redaktion hatten Christian Granderath und Sabine Holtgreve (NDR) sowie Andreas Schreitmüller (ARTE). „Hanne“ ist eine Produktion der Provobis Gesellschaft für Film und Fernsehen. Das Erste zeigte den Film im Juni vergangenen Jahres. Hauptdarstellerin Iris Berben bekommt in diesem Jahr als „beste Schauspielerin“ u. a. für den „berührenden TV-Film ‚Hanne'“ auch die Goldene Kamera. Mit Dominik Graf und Beate Langmaack arbeitet der NDR derzeit an einem Nachfolgeprojekt.

Die NDR Autorin Nadia Kailouli und NDR Autor Jonas Schreijäg waren 21 Tage lang an Bord der „Sea Watch 3“: vom Auslaufen und der Rettung von 53 Menschen bis zur Verhaftung der Kapitänin Carola Rackete im Hafen von Lampedusa. Wie kam es so weit? Was ist in den drei Wochen auf See passiert? Das alles haben die Filmemacher dokumentiert und in mehreren Beiträgen verarbeitet. Den Grimme-Preis bekommen die beiden für ihren 111-minütigen Dokumentarfilm „SeaWatch3“ im NDR Fernsehen. Aus der Begründung der Jury: „‚SeaWatch3‘ ist ein doppelter Glücksfall des Dokumentarischen. Am Anfang steht das Reporterglück, exklusiv zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein – dann aber folgt das bedeutsamere Glück, das Gefundene auch filmästhetisch der Wahrheit verpflichtet zum Sprechen zu bringen. Kailouli und Schreijäg gelingt mit ihrer dramaturgisch herausragend gebauten Chronik ein Dokument von starker Relevanz. Sowohl die Psychologie der Migrant*innen als auch die der Crew, die Warterei, das Quälende, der Aufbruch und die Dramatik der Ankunft werden in einer fast thrillerartig verdichteten Intensität, in einer Tiefe und einem Farbenreichtum gezeigt, die ihresgleichen suchen. Geschickt nimmt „SeaWatch3″ auch die Rolle der berichtenden Medien auf – und wenn man hier nichts über die Notwendigkeit freier Presse erfährt, wo dann?“. Die Redaktion für den Dokumentarfilm, eine Gemeinschaftsproduktion von STRG_F, Panorama und NDR Dokfilm, hatten Anna Orth und Timo Großpietsch. Er ist zu sehen unter http://ots.de/4eMXbm .

Von der Entstehung und den Dreharbeiten, die das Schicksal der fiktiven jüdischen Familie Weiss erzählt, über die Ausstrahlung 1978/79 bis zu den Reaktionen in Deutschland erzählt Filmemacherin Alice Agneskirchner in „Wie ‚Holocaust‘ ins Fernsehen kam“. Für ihr „Making of“ – im Januar 2019 war die Serie nach 40 Jahren erneut zu sehen – sprach Alice Agneskirchner mit Regisseur Marvin J. Chomsky, Produzent Robert Berger, Schauspielerinnen und Schauspielern und dem ehemaligen WDR-Fernsehspielchef Günter Rohrbach. „Auf instruktive Weise ist es Alice Agneskirchner gelungen, der Vielschichtigkeit der Serie als fiktionales Produkt, ihrer Ausstrahlung als Medienereignis und deren Wirkung als eine Art Quantensprung in der Bewusstseinswerdung des Holocaust in der bundesdeutschen Gesellschaft gerecht zu werden und alle diese Aspekte in ihrer Komplexität darzustellen und zu vermitteln“, so die Jury. Die Redaktion hatte im NDR Christoph Mestmacher, Produzent war Hanfgarn & Ufer.

Der 56. Grimme-Preis wird am Freitag, 27. März, in Marl verliehen. 3sat überträgt die Preisgala ab 19.15 Uhr im Livestream auf www.3sat.de, zeitversetzt ab 22.40 Uhr im Fernsehen.


Grimme-Preis für „Prince Charming“! Die TVNOW-Gay-Dating-Show erhält begehrte Auszeichnung

Die Grimme-Preis-Gewinner 2020 stehen fest: Auch das erfolgreiche TVNOW-Original „Prince Charming“ zählt zu den diesjährigen Preisträgern! In der Kategorie „Unterhaltung“ wird Deutschlands erste Gay-Dating-Show mit einer der renommiertesten deutschen Auszeichnungen für Fernsehsendungen und -leistungen bedacht. Aus der Begründung der Jury: „Dank der Unbefangenheit, die ein Format so nur in seiner Debütstaffel haben kann, brechen sich in ‚Prince Charming‘ immer wieder unerwartet Momente echter Gefühle und echter Verbundenheit Bahn. (…) nicht nur tolle, emotionale Fernsehunterhaltung, (…) auch eine neue Art von Märchen.“ Die Preisverleihung findet am 27. März 2020 in Marl statt.

„‚Prince Charming‘ ist ist eines unserer ersten TVNOW-Originals. Dass die Sendung nicht nur die Herzen unserer User erobert hat, sondern jetzt auch den Grimme-Preis erhält, ist ein großer Ritterschlag und zeigt, dass es höchste Zeit für die erste schwule Dating-Show in Deutschland war. Unser herzlicher Dank gilt der Jury, aber auch Seapoint und unserem Redaktionsteam um Kirsten Petersen, die das Format so unterhaltsam und berührend zugleich umgesetzt haben. Ein gutes Jahr nach dem Start als eigenständiger Streamingdienst so eine Auszeichnung zu bekommen, ist wirklich etwas Besonderes und bestärkt uns darin, auch weiterhin mutig und offen zu programmieren. Da ist auch schon einiges geplant“, so Henning Tewes, Co-Geschäftsleiter von TVNOW.

Nina Klink, Produzentin von Seapoint Productions ergänzt: „Egal ob männerliebende Kerle oder frauenküssende Männer – die Liebe ist eine universelle Geschichte, die wir uns alle gerne erzählen! Das gesamte Team freut sich wahnsinnig über diesen Preis! Gemeinsam mit TVNOW durften wir für mehr Vielfalt in der deutschen Unterhaltung sorgen. Hoffentlich gibt es in Zukunft noch mehr davon!“

In Kürze kommt die erste Staffel von „Prince Charming“ auch ins Free-TV: VOX zeigt das Erfolgsformat ab dem 20. April 2020 immer montags um 22.15 Uhr. Dann sucht „Prince Charming“ Nicolas Puschmann unter 20 Singlemännern in Griechenland seinen Mr. Right. Acht Folgen lang (sowie in einer anschließenden Wiedersehens-Show) geht es in spektakulären Dates, bei knisternden Momenten zwischen den Singles untereinander oder dem Kuss-Marathon von Prince Charming nicht nur gefühlstechnisch drunter und drüber.

Eine zweite Staffel „Prince Charming“ ist darüber hinaus bereits bestätigt.


Grimme-Preis 2020: Vier Auszeichnungen für die ZDF-Familie

Insgesamt vier Produktionen der ZDF-Familie werden mit dem Grimme-Preis 2020 ausgezeichnet. Das gab die Grimme-Preis-Jury am heutigen Dienstag, 3. März 2020, bekannt.

Der Episodenfilm „The Love Europe Project“ von Nachwuchsregisseurinnen und -regisseuren aus ganz Europa, wird mit dem Grimme-Preis in der Kategorie Fiktion ausgezeichnet. Neun Kurzspielfilme gewähren Einblicke in verschiedene Lebensgeschichten und Alltagssituationen von Europäern. Aber auch Geschichten vom Rande Europas werden erzählt. Jeder Film fängt die kleinen Eigenheiten verschiedener Länder ein, ohne Klischees zu bedienen. So werden Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten herausgestellt, die die Vielfalt Europas widerspiegeln.

„The Love Europe Project“ ist eine Koproduktion von Sperl+Film GmbH (Produzentinnen: Gabriela Sperl und Miriam Klein) in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel in Zusammenarbeit mit ARTE, gefördert vom FFF Bayern. Die Redaktion haben Claudia Tronnier, Alexandra Staib, Lucas Schmid (alle ZDF), Olaf Grunert (ZDF/ARTE) und Andreas Schreitmüller (ARTE). Der Episodenfilm ist am Montag, 30. März 2020, 1.20 Uhr, noch einmal im ZDF zu sehen sowie ab Freitag, 27. März 2020, bis Montag, 27. April 2020, in der ZDFmediathek abrufbar.

Die 3sat-Koproduktion „Dark Eden“ (ZDF/3sat; Redaktion: Nicole Baum) erhält einen Grimme-Preis in der Kategorie Info & Kultur. Für ihren Dokumentarfilm (Made in Germany Filmproduktion für ZDF/3sat) über das weltgrößte Fracking-Terrain in Nordamerika lebte und recherchierte Filmemacherin Jasmin Herold zwei Jahre lang in Fort McMurray, der am schnellsten wachsende Stadt Nordamerikas, und sprach mit den Menschen über deren Leben dort und den Tribut, den sie dafür zahlen. Michael David Beamish, der bei den Dreharbeiten zum Co-Regisseur wurde und an den Folgen der Umweltkatastrophe erkrankte, erhält gemeinsam mit Jasmin Herold den Grimme-Preis für Buch und Regie. Andreas Köhler (Kamera) und Martin Kayser Landwehr (Schnitt) werden ebenfalls ausgezeichnet. „Dark Eden“ steht anlässlich der Verleihung des Grimme-Preises ab Freitag, 27. März 2020, für sieben Tage in der 3sat-Mediathek zur Verfügung.

Der Film „Die Tochter von …“ (Joakim Demmer Film & TV Produktion für ZDF/3sat) aus der 3sat-Dokumentarfilmreihe „Ab 18!“ (ZDF/3sat; Redaktion: Nicole Baum) gewinnt in der Kategorie Kinder und Jugend. Ausgezeichnet werden Joakim Demmer, Verena Kurti und Chiara Minchio für Buch und Regie. Joakim Demmer und Verena Kuri erzählen von der jungen Argentinierin Micaela, deren Mutter entführt wurde, als sie drei Jahre alt war. Micaela wuchs bei ihrer Großmutter auf, die im Kampf um die vermissten Frauen in Argentinien zur nationalen Ikone und Mitbegründerin einer stetig wachsenden Frauenbewegung wurde. Nach Jahren mit Polizeischutz beginnt Micaela nun ihr eigenes Leben zu leben. „Ab 18! – Die Tochter von …“ ist noch bis zum 5. November 2020 in der 3sat-Mediathek abrufbar unter: https://kurz.zdf.de/aPP/

Mit dem Grimme-Preis Spezial Kinder & Jugend wird die Comedy-Show „Leider laut“ geehrt. Marti Fischer und Bürger Lars Dietrich empfangen in der Show prominente Gäste in einem Tonstudio. Mit dabei sind LEA, Sasha, Rezo, Lukas Rieger, Alexander Klaws, Leslie Clio, Stefanie Heinzmann, Phil Laude und die Band Deine Freunde. Gemeinsam erfinden sie geräuschvolle Spiele rund um Hits, Trends, Tanzstile oder Musiklegenden. Höhepunkt jeder Folge ist eine gemeinsame Musik-Session, in der sie aktuelle Songs der jeweiligen Künstler neu und außergewöhnlich arrangieren. „Leider laut“ ist eine Produktion von Warner Bros. ITVP, Köln (Produzent: René Jamm). Die Redaktion im ZDF hat Corinna Miagtchenkov. Die Show wurde bei KiKA ausgestrahlt.

Die Preisverleihung des Grimme-Instituts findet am Freitag, 27. März 2020, in Marl statt. 3sat überträgt die Veranstaltung ab 19.15 Uhr live in der 3sat-Mediathek und zeigt zudem am selben Abend um 22.40 Uhr eine 120-minütige Zusammenfassung. Der Grimme-Preis zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen für Fernsehsendungen in Deutschland und wurde erstmals 1964 vergeben.


Grimme-Preise 2020 für ARTE-Koproduktionen Fiktion „Hanne“, Serie „Eden“, Episodenfilm „The Love Europe Project“

Heute sind die Entscheidungen der Jurys für den 56. Grimme-Preis 2020 bekannt gegeben worden. Die Trophäen werden am 27. März 2020 im Marler Theater an die Preisträger*innen vergeben. ARTE freut sich über folgende Auszeichnungen ganz besonders: Fiktion „Hanne“ (NDR/ARTE, PROVOBIS), Serie „Eden“ (SWR/ARTE/ARTE France/Degeto), Episodenfilm „The Love Europe Project“ (ZDF/ARTE, Sperl Film) sowie über die besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbands (DW) an Regisseur und Autor Heinrich Breloer.

Grimme-Preis im Wettbewerb Fiktion für „Hanne“ an Beate Langmaack für das Buch, an Dominik Graf für die Regie, an Iris Berben für die Darstellung

Die Jury: „Hanne ist preiswürdig auch wegen des überragend gekonnten, eleganten Handwerks: Als Solo, das einer Schauspielerin auf den Leib geschrieben ist, der man diese „allein-stehende“ Hanne tatsächlich abnimmt. Als Inszenierung, die sich souverän unkonventionell aller filmischen Mittel bedient und, nur zum Beispiel, fast unmerklich in den schnellen Vorlauf geht und überspringt, was in einer Abfolge nicht benötigt wird. Oder die zum Landschaftstableau wird, wenn Hanne mit dem roten Mantel im Sturm über ein Feld läuft. Und er ist preiswürdig als Textfilm, der von den großartigen Dialogen Beate Langmaacks getragen ist, von ihrer genauen Beobachtung und ihren wundervollen Frauenfiguren“.

Grimme-Preis Spezial im Wettbewerb Fiktion an Constantin Lieb (Buch), Dominik Moll (Buch/Regie), Felix von Boehm und Jan Krüger (Produktion) für das Konzept einer europäischen Erzählung in Eden (SWR/ARTE/ARTE France/Degeto, Atlantique Productions/Port au Prince/ Lupa Film)

Die Jury: „Die deutsch-französische Koproduktion „Eden“, gedreht in einem halben Dutzend Ländern und Sprachen, versucht allen Schicksalen und allen Beteiligten gerecht zu werden und ihre Lebenswege zusammenzubringen. Sie zeigt uns, wie die Ströme von Angst und Sehnsucht, aber auch von Geld und Moral, die scheinbar aneinander vorbeifließen, einander beeinflussen oder bedingen. Europa im 360-Grad-Schwenk, Europa von oben und unten.“

Grimme-Preis im Wettbewerb Fiktion für „The Love Europe Project“ (ZDF/ARTE/Sperl+Film GmbH mit den Produzentinnen Gabriela Sperl und Miriam Klein)

Die Jury: „(…) Wir brauchen mehr Filme, die dazu anregen, unsere Ideen für ein gemeinsames Europa zu äußern und unsere Vorstellungen von Freiheit zu diskutieren, um ein Miteinander gemeinsam gestalten zu können. Filme, die uns auffordern (politisch) zu handeln, anstatt in eine Abwehrhaltung zu verfallen und dort zu verharren. Filme, die zeigen, wie kostbar und notwendig Vielfalt für Europa ist.“ Bei ARTE zeichnet redaktionell Dr. Andreas Schreitmüller, Hauptabteilungsleiter Spielfilm und Fernsehfilm, für alle drei ausgezeichneten Fiktionen verantwortlich.

Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbands (DVV) geht in diesem Jahr an den Regisseur und Autor Heinrich Breloer Begründung: „Mit der Besonderen Ehrung für Heinrich Breloer würdigt der Deutsche Volkshochschul-Verband den Mitbegründer und profiliertesten Autor und Regisseur des Doku-Dramas“, sagt DVV-Direktor Ulrich Aengenvoort. Das Genre des Doku-Dramas korrespondiere sehr gut mit dem Bildungsanspruch von Volkshochschulen, verbinde es doch historische Wahrhaftigkeit mit fiktionaler Spannung.

ARTE koproduzierte Heinrich Breloers Filme „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ (2001, WDR/ARTE), „Buddenbrooks“ (2009, WDR/ARTE) und auch BRECHT (eine Koproduktion der Bavaria Fiction mit dem WDR/BR/SWR/NDR/ARTE), im letzten Jahr auf ARTE und im Ersten zu sehen.