DER GARTEN DES HOHENHOFS BIRGT NOCH VIELE GEHEIMNISSE – STADT SUCHT ZEITZEUGEN

am

Der Hagener Hohenhof, das ehemalige
Wohnhaus von Karl Ernst Osthaus und seiner Familie, ist
ein bedeutendes Gesamtkunstwerk und damit dieses
wieder in Gänze erlebbar wird, finden seit April 2019 im
weitläufigen Garten archäologische Grabungen statt. Ist
der Garten, der noch viele Geheimnisse birgt, doch
untrennbar mit den Gebäuden verbunden.

Archäologische Grabungen bei einem Bauwerk des 20.
Jahrhunderts sind ein ungewöhnliches, aber dennoch nicht
minder spannendes Unterfangen. Wie spannend diese
Grabungen auch für „Nicht-Experten“ sind, wurde am
Denkmaltag im September des Vorjahres deutlich, als
zahlreiche Besucher aus Hagen und der Region den
Archäologen über die Schulter schauten.
Die Landschaftsarchitektin Susanne Weisser aus
Wuppertal beschäftigt sich seit mehr als einem Jahr mit der
Frage, was von den ursprünglichen und fotografisch gut
dokumentierten Außenanlagen am Hohenhof noch zu
finden ist, nachdem die Natur an vielen Stellen das
Regiment übernahm. Im Rahmen der Internationalen
Gartenausstellung (IGA) im Jahr 2027 soll der Garten
soweit möglich unter denkmalpflegerischen
Gesichtspunkten wieder hergestellt sein, damit das
Gesamtkunstwerk „Hohenhof“ nach den Entwürfen des belgischen Architekten Henry van de Velde wieder begeh-
und damit erlebbar wird.

Es ist bereits allgemein bekannt, dass noch ein anderer
bedeutender Landschaftsarchitekt, Leberecht Migge,
Einfluss auf die Gestaltung des Gartens hatte. Aus der
Literatur ist bekannt, dass Karl Ernst Osthaus kurz nach
Fertigstellung des Van de Veldeschen Entwurfs Migge
beauftragte, den Garten zu überarbeiten, sehr zum
Unwillen von van de Velde, wie aus ausgiebigen
Briefwechsel deutlich wird. Deshalb nahm man an, dass
sich van de Velde auch zum größten Teil durchsetzte.
Erste Grabungsergebnisse der Archäologen stellten diese
Annahme aber schon sehr früh in Frage. Überall wo man
Spuren von van de Velde vermutete, stieß man auf Reste
von Anlagen, die den Entwürfen Migges entsprachen. Im
November wurde deshalb beschlossen, weiter zu graben,
um noch mehr Klarheit zu erhalten.

Dabei kamen Funde jüngeren Datums zu Tage. Neben
Orden und Patronenhülsen, die eindeutig der Zeit des
Dritten Reichs zugeordnet werden konnten, legten die
Archäologen rund um das Team von Frau Dr. Eva Cichy
(LWL-Archäologie) eine große Sandsteinstufe und
verschiedene Beeteinfassungen frei, die weder auf Plänen
verzeichnet sind, noch auf historischen Fotografien
festgehalten wurden. Die Beteiligten vermuten, dass es
sich um Überformungen handelt, die nach dem Verkauf
des Hohenhofs, evtl. in der Zeit als der Hohenhof als
Gauleiterschule genutzt wurde, entstanden.
Erste Recherchen im Hagener Stadtarchiv waren
ergebnislos und auch der Hagener Experte für die Nazizeit
Dr. Ralf Blank konnte dazu keine Aussagen treffen.

Daher bitten Dr. Birgit Schulte vom Osthaus Museum und
die Denkmalpflegerin Ina Hanemann alle Hagenerinnen
und Hagener, die Erinnerungen, Unterlagen oder Fotos
aus dieser Phase der Nutzung besitzen oder auch aus der
Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, in der der Hohenhof
noch Frauenklinik war, sich unter E-Mail
ina.hanemann@stadt-hagen.de oder Telefon 02331/207-
3154 zu melden.