Vortrag im Kunstquartier: Das Schicksal eines jüdischen Kinderarztes in Hagen

Stargardter, Dr. Isidor Julius.jpgIn den vergangenen Jahren gehören Antisemitismus und rechtsextremes Gedankengut wieder verstärkt zu den gesellschaftlichen und politischen Problemen in Deutschland. Wie jüdische Lebenswege während der nationalsozialistischen Herrschaft 1933 bis 1945 verliefen, zeigt am Mittwoch, 27. November, um 18.30 Uhr ein Vortrag von Dr. Reinold Busch im Auditorium des Kunstquartiers Hagen, Museumsplatz 1, auf.

Anschläge und Angriffe auf Synagogen, antisemitische Äußerungen und Klischees, Bedrohungen und Anfeindungen gegen Juden nehmen in unserer Gesellschaft zu. Feststellungen wie „aus der Geschichte nichts gelernt“ helfen nur bedingt weiter. Der Antisemitismus einst und jetzt zieht weite Kreise in der Bevölkerung. Er beschränkt sich nicht nur auf rechtsextreme Gruppierungen und Parteigänger – er ist ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Was Antisemitismus anrichtet und welche Folgen er hat, zeigte die nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945. Der Holocaust mit vielen Millionen von ermordeten Menschen war auch ein Ergebnis der Pöbeleien und antisemitischen Maßnahmen in Deutschland zu Beginn der dreißiger Jahre. Die südwestfälische Großstadt Hagen war davon nicht ausgenommen. Auch hier kam es früh zu antisemitischen Vorfällen. Auch hier führte der Boykott-Tag am 1. April 1933 über einschlägige Gesetze und dem Judenpogrom in der Nacht zum 10. November 1938 auf direktem Weg in den Massenmord. Fast 500 Hagener Juden mussten ins Ausland fliehen, mehr als 200 wurden Opfer der Shoa.

Der 1881 in Westpreußen geborene Internist und Kinderarzt Dr. Julius Isodor Stargardter praktizierte seit 1911 in Hagen. Da Stargardter nach nationalsozialistischem Recht durch seine Ehe mit einer Christin in „privilegierter Mischehe“ lebte, blieb er bis 1944 von der Deportation aus Hagen verschont. Doch erlebte der bis zur Aberkennung seiner Approbation durch das nationalsozialistische Unrechtsregime in Hagen geschätzte Arzt alle antisemitischen und diskriminierenden Maßnahmen. Als er im November 1944 durch die Gestapo verhaftet wurde und deportiert werden sollte, verstarb er an einer in suizidaler Absicht eingenommenen Medikamentenvergiftung.

Der Referent zeichnet den Lebensweg des jüdischen Kinderarztes und seiner Familie nach. Er wirft auch einen Blick auf die Nachkriegszeit. Für viele Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung und des Holocaust waren die frühen Jahre der Bundesrepublik eine Fortsetzung des Unrechts und der Diskriminierung.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der „Geschichtsfreunde Hagen e.V. – Museums- und Archivverein“, der Jüdischen Gemeinde Hagen, dem Verein der Ärzte zu Hagen und dem Fachbereich Kultur der Stadt Hagen. Der Eintritt beträgt 2 Euro.