„Gänsehaut“ – Zuhörer-Kritik von Rüdiger Kappler

IMG_20190929_173905087Am Sonntag dem 29.9.2019 hielt der international bekannte Konzertpianist Roland Pröll in der Gänsehautreihe des Kammermusikfestivals Hagen im Kulturhof Hagen-Emst einen eindrucksvollen Vortrag über die philosophischen Aspekte von „diesseits und jenseits“ anhand der 32.Beethoven Klaviersonate op.111, die viele Stilrichtungen zusammenfasst, die schon in moderne Zeiten weist und die kosmische Sphären offenbart. Gleichzeitig zeigt Beethoven im zweiten Satz der Arietta ein Zeitrafferprinzip von sich verdoppelnden Geschwindigkeiten, wie sie bei Sterbenden Menschen vorkommen sollen, die im letzten Moment ihr gesamtes Leben im rasenden Tempo noch einmal vor dem inneren Auge erleben. Prof. Pröll erinnerte im gut besuchten Kulturhof an die 40 Seiten, die Thomas Mann in Zusammenarbeit mit Adorno in seinem Roman Doktor Faustus der letzten Sonate gewidmet hat. Pröll sprach auch über die Ausdrucksunterschiede von verschiedenen virtuosen romantischen Werken, zum Beispiel von Chopin, die er auch mit einer großen Meisterschaft vortrug…und er setzte diese ins Verhältnis zu der Innigkeit und Einfachheit der B-Dur Bagatelle op.119 Nr.11 und zu dem unschuldigen Ariettathema, das dann in vielen Verwandlungen auftritt. Das Publikum lauschte gebannt, zumal Roland Pröll es verstand, mit großem Hintergrundwissen über die Beethovensche musikalische Darstellung von diesseitigem  Lebenskampf…und jenseitigem Nachhall von allen Wesen zu sprechen, die jemals auf der Erde gelebt haben. Im zweiten Teil interpretierte der exzellente Musiker diese Sonate derart eindrucksvoll, dass danach eine Stille der Berührung die Zuhörer erfasste. Die Gänsehaut- Konzerte unter der Leitung von Hildegard Schiller sind seit langem ein Geheimtipp für alle jene, die das kulturell Besondere suchen. Rüdiger Kappler, Dortmund