Leander Fischer erhält Deutschlandfunk-Preis bei den 43. Tagen der deutschsprachigen Literatur

Für seinen Text „Nymphenverzeichnis Muster Nummer eins Goldkopf“ ist der Autor Leander Fischer zum Abschluss der Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt mit dem Deutschlandfunk-Preis ausgezeichnet worden. In dem Beitrag erzählt Fischer von einem frustrierten und pedantischen Musiklehrer, der mehr und mehr dem Fliegenfischen verfällt. Aus dem Lehrer wird im Gespräch mit einem Fischer wieder ein Schüler, der die meditative Kunst des Köderknüpfens entdeckt. Der Preisträger wurde 1992 im österreichischen Vöcklabruck geboren. Er lebt in Hannover und las in Klagenfurt auf Einladung von Hubert Winkels (Deutschlandfunk).

Der Preis wurde am 30. Juni durch Karin Fischer, Abteilungsleiterin Aktuelle Kultur beim Deutschlandfunk, übergeben. In seiner Laudatio begründete Jury-Vorsitzender Hubert Winkels die Wahl des Preisträgers, der nicht nur einen sperrigen Titel, sondern auch ein sperriges Thema gewählt habe: „Vom Knüpfen von Ködern zum Zwecke des Fliegenfischens erfahren wir in diesem Text wahrscheinlich ausführlicher als wir jemals wollten. Aber der Text schafft es, uns das Vergnügen am Verfertigen eines Kunstwerks Stück für Stück beim Zusammensetzen von Metall und Leder und Haaren und Federn mit den herrlichsten Namen mitzuteilen. Der all das erlebt ist eigentlich Musiklehrer und hat parallel mit Schülern Violinkonzerte von Mozart einzuüben – doch schnell wird einem klar, dass kein Mozartsches Violinkonzert schöner sein kann als das Knüpfen von Goldnymphenködern. […] Die ganze Geschichte zeigt, wie Literatur, wie Kunst Dinge lebendig machen kann. […] Die Welt hebt zu Singen an, wenn die Kunst sich sehr, sehr bemüht. Und das hat sie in diesem Fall getan.“

Eine siebenköpfige Expertenjury hatte nach drei Tagen mit Lesungen bislang unveröffentlichter Prosatexte von 14 Autorinnen und Autoren die Gewinner des Ingeborg-Bachmann-Preises, des Deutschlandfunk-Preises und drei weiterer Preise ermittelt. Die Jury bestand in diesem Jahr aus Deutschlandfunk-Literaturchef Hubert Winkels (Vorsitz), Stefan Gmünder (A/CH), Nora Gomringer (D), Klaus Kastberger (A), Hildegard Elisabeth Keller (USA/CH), Michael Wiederstein (D/CH) und Insa Wilke (D).

Der Deutschlandfunk-Preis wird seit 2017 vergeben. Mit einer Preissumme von 12.500 EUR geht er an den/die Zweitplatzierte/n des Wettbewerbs.

Sendehinweis: Aufzeichnungen der Lesungen – auch der Gewinner des Ingeborg-Bachmann-Preises und des Deutschlandfunk-Preises – sind unter anderem im August in der Deutschlandfunk-Sendung Lesezeit zu hören (Mi, 20.30 Uhr, anschließend auch online unter deutschlandfunk.de).