Martin Semmelrogge: „Irgendwann merkt man, dass die Welt ungerecht ist, und dann muss man auf den Putz hauen“

Schüchtern? So würden wohl die wenigsten Martin Semmelrogge beschreiben. Als Kind war der Schauspieler jedoch „eher zurückhaltend“. „Ich bin auch mal rot geworden“, sagt Semmelrogge im Interview mit PSYCHOLOGIE bringt dich weiter (Heft 04/19 ab 12.6. im Handel, www.psychologiebringtdichweiter.de). Doch das änderte sich bald: „Irgendwann merkt man, dass die Welt ungerecht ist, und dann muss man auf den Putz hauen“, so der 63-Jährige und überrascht mit der Aussage: „Ich bin aber auch heute gern manchmal einfach noch Beobachter.“

Ins Schwärmen gerät der bekannte Synchronsprecher bei Gedanken an seine frühen Jahre: „Da fange ich sofort an zu lächeln. Ich hatte eine sehr schöne Kindheit in der Schwäbischen Alb. Ich war behütet, aber auch frei, was meinem Wesen entspricht, mich nicht domestizieren zu lassen.“ Seine Eltern waren in den 50er Jahren aus der DDR geflohen. „In Schwaben galten sie dann als ‚Eingeschmeckte‘ aus dem Osten. Ich habe für meine Eltern Brücken gebaut, habe gleich schwäbisch schwätze gelernt und bin offen auf die Menschen zugegangen.“

Semmelrogge besuchte eine Waldorfschule. Ein Lehrer imponierte ihm mit einem richtungsweisenden Tipp: „Wichtig im Leben sei, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, viel wichtiger, als Vokalen auswendig zu lernen.“ Ein anderer Lehrer meinte es weniger gut – und stärkte ihn dennoch unbeabsichtigt auf seinem Weg: „Er hat versucht, mir meine Hippie-Haare abzuschneiden. Letztlich hat er aber nur ein kleines Büschel erwischt. Ich bin also als Sieger aus der Sache rausgegangen. Dieses Winner-Gefühl kann ich noch heute abrufen und habe es nie verloren. Ich kann gut mit Schicksalsschlägen und Verlusten umgehen, stehe immer wieder auf und mache weiter“, erzählt Martin Semmelrogge im Interview mit PSYCHOLOGIE bringt dich weiter.