Siegener Biennale: „Medea. Stimmen“ nach Christa Wolf

Kindermörderin oder selbstbewusste, starke Frau?

Christa Wolf vs. Euripides: Das Deutsche Theater Berlin zeigt zum Abschluss der Siegener Biennale Christa Wolfs radikale Korrektur des gängigen Medea-Bildes am Samstag, 18. Mai, und am Sonntag, 19. Mai, jeweils um 19 Uhr im Apollo-Theater Siegen. Vor der Vorstellung am Sonntag werden um 18 Uhr die Biennale-Preise im Festzelt vor dem Theater verliehen.

Blutrünstige Furie, Bruder- und Kindermörderin – so beschreibt Euripides Medea in seiner 400 v. Chr. verfassten Tragödie. Christa Wolf hinterfragt dies in ihrer Bearbeitung des Stoffes und zeichnet das Bild einer starken, selbstbewussten Frau, die sich in einem fremden Land und im Patriarchat behaupten muss.

Die Königstochter Medea muss mit ihrem Mann Jason aus ihrer Heimat Kolchis fliehen, nachdem sie ihm geholfen hat, in den Besitz des Goldenen Vlies zu gelangen. Das Paar findet in Korinth, am Hof von König Kreon, Zuflucht. Medea, die kurz nach ihrer Ankunft Zwillinge zur Welt bringt, kann sich nicht in die neue Gesellschaft integrieren und wird aufgrund ihrer Unangepasstheit von den Korinthern gemieden. Auch Jason wendet sich nach und nach von seiner Frau ab und schenkt seine Aufmerksamkeit einer neuen Geliebten. Als Medea schließlich von einem Staatsgeheimnis – einer schändlichen Tat – erfährt, mit der König Kreon seinen Sturz verhinderte, wird sie aus dem Palast verstoßen und als Bruder- und Kindermörderin verrufen.

Die geächtete Frau, Fremdenhass, Ausgrenzung und die selbstzerstörerischen Tendenzen unserer Gesellschaft stehen im Mittelpunkt der Handlung. Medea ist eine Frau auf der Suche nach neuen Werte-Hierarchien, nach einem Neuanfang, nach einer Zukunft. Die Inszenierung des Deutschen Theaters Berlin orientiert sich stark an Christa Wolfs literarischer Vorlage – fragt nach der Deutungshoheit über Historie und danach, wessen Interesse es ist, die „wilde Frau“ als Mörderin hinzustellen.

Karten (19 – 33 Euro, ermäßigt 11 – 25,50 Euro) gibt es an der Apollo-Theaterkasse (Di-Fr. 13-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr sowie eine Stunde vor der Vorstellung), an den Vorverkaufsstellen oder online: http://www.apollosiegen.de. Telefonische Kartenbestellungen sind während der Theaterkasse-Öffnungszeiten möglich: 02 71 / 77 02 77-20.

Ensemble Deutsches Theater Berlin:

Regie: Tilmann Köhler
Bühne: Karoly Risz
Kostüme: Susanne Uhl, Henrike Huppertsberg
Musik: Jörg-Martin Wagner
Puppenbau: Franziska Stiller, Karen Schulze, Andreas Müller
Licht: Thomas Langguth
Dramaturgie: Juliane Koepp
Live-Musik: Michael Metzler.
Mit: Maren Eggert, Edgar Eckert, Lisa Hrdina, Helmut Mooshammer, Thorsten Hierse, Kathleen Morgeneyer, Johanna Kolberg.

Dauer: 2 Stunden 20 Minuten, keine Pause