Berliner Ensemble: „Panikherz“

Stuckrad-Barre mit dem Soundtrack von Udo Lindenberg

Vom gefeierten Popliteraten zum fresssüchtigen Drogenjunkie und
wieder zurück: Das Berliner Ensemble zeigt am Dienstag, 14. Mai,
20 Uhr, und am Mittwoch, 15. Mai, 20 Uhr, Stuckrad-Barres
autobiografischen Roman in einer intensiven Inszenierung mit
Musik von Udo Lindenberg, Nirvana und Oasis im Siegener Apollo-
Theater.
Es ist die Geschichte seines jahrzehntelangen Suchtstrudels, die
Benjamin von Stuckrad-Barre in seinem Roman „Panikherz“ erzählt –
eine Geschichte über Drogen, Bulimie und Selbsthass. Seine Kindheit
verbringt er als Pastorensohn im beschaulichen Rotenburg an der
Wümme, sehnt sich aber schon früh nach einem Leben im Rampenlicht.
Diese Sehnsucht wird auch erfüllt: 1998 gelingt ihm mit seinem
Debütroman „Soloalbum“ sowie dem 2003 entstandenen gleichnamigen
Film der Durchbruch und er wird zum neuen Star der deutschen
Popliteratur. Doch der schnelle Ruhm hat auch seine Schattenseiten. Er
ist stark alkoholabhängig, entwickelt eine Essstörung, bekämpft diese mit
Kokain und schafft es nicht, sein Selbstbild mit der Wirklichkeit kongruent
zu machen. So verfällt er immer mehr dem Narzissmus.
Oliver Reese inszeniert diese Drogenbeichte Stuckrad-Barres mit gleich
vier Schauspielern, die den abgestürzten Popliteraten in seinen
unterschiedlichen Lebensphasen und Gefühlswelten porträtieren. Die
Sehnsucht nach Applaus, der Ich-Verlust in einem selbstzerstörerischen
Leben und schließlich auch die Ich-Findung sind zentrale Themen dieser
knapp zweistündigen „Orgie des Wahnsinns“ (die Zeit). Udo Lindenberg
wird dabei zum Retter und zur Vaterfigur, der Stuckrad-Barre mit seiner
Musik aus dem Drogensumpf zurück ins Leben holt.
Karten (19 – 33 Euro, ermäßigt 11 – 25,50 Euro) gibt es an der Apollo-Theaterkasse (Di-Fr. 13-19
Uhr, Sa. 10-14 Uhr sowie eine Stunde vor der Vorstellung), an den Vorverkaufsstellen oder online:
http://www.apollosiegen.de. Telefonische Kartenbestellungen sind während der Theaterkasse-
Öffnungszeiten möglich: 02 71 / 77 02 77-20.
Pressekritik:
(…) die Frage, die Panikherz ja schon immer aufwarf, ist: Warum sollte ich mich für das
Kokainproblem von Benjamin von Stuckrad-Barre interessieren? Abgesehen vom reinen
Voyeurismus? Hier interessiert es einen. Wirklich gutes Theater ist ja eines, das etwas mit

seinem Stoff anfangen kann. (…) Wer Literatur, also auch dramatische Literatur, inszeniert,
muss unbedingt den Text ernst nehmen. (…) Oliver Reese hat den Text ernstgenommen.
Umso mehr die Benjamins leiden, umso existenzieller ihre Sorgen werden, umso fieser die
Pointen, desto eindringlicher wird das Stück. Süddeutsche Zeitung

Berliner Ensemble:
Regie: Oliver Reese, Dramaturgie: Valerie Göhring
Bühne: Hansjörg Hartung, Kostüme: Elina Schnizler
Licht: Ulrich Eh, Musik: Jörg Gollasch

mit Nico Holonics, Bettina Hoppe, Laurence Rupp, Carina Zichner, Lukas Fröhlich, Peer
Neumann, Gerhard Schmitt, Tilo Weber, Manuel Zacek (Musik)

Spieldauer: ca. 2 h, keine Pause