Maria Furtwängler: „Privates preiszugeben, kostet mich Überwindung“

Ob sie eine Feministin ist? – „Auf jeden Fall! Auf die Frage gibt es von mir aus vollem Herzen ein ganz klares Ja“, so Maria Furtwängler (52) im Interview mit der Zeitschrift FRAU IM SPIEGEL. „Ich denke, eine Feministin ist jeder Mensch, der die gleichen Rechte und Chancen für Männer und Frauen fordert.“ Schon ihre Mutter habe immer stark propagiert, dass man als Frau einen Beruf haben, auf eigenen Beinen stehen und sich nicht von einem Mann abhängig machen sollte. „Das habe ich schon als junges Mädchen von ihr so gehört“, erzählt die Schauspielerin, Ärztin und Produzentin dem Magazin. „Meine Mutter ist aber dennoch keine klassische Feministin. Sie hat es zum Beispiel immer uncool gefunden, sich politisch wirklich zu positionieren.“

Was Facebook und Instagram angeht, sei sie „ziemlich unsortiert“, verrät Furtwängler FRAU IM SPIEGEL. „Ich würde mein Profil gern weiter schärfen. Es gibt ja eine Art Richtlinie nach dem Motto: Man muss als öffentliche Person Fotos posten und etwas Persönliches schreiben.“ Gleichzeitig sei sie jemand, der sich sehr ungern ins Privatleben schauen lässt: „Privates preiszugeben, kostet mich Überwindung. Denn das gehört ja nur mir.“ Dennoch freue sie sich und finde es spannend, „von Fans ein direktes Feedback zu kriegen“.

Mit ihrer Tochter Elisabeth Burda (26), Musikerin und Kunsthistorikerin, engagiert Maria Furtwängler sich seit 2016 mit ihrer „MaLisa“-Stiftung für die Gleichberechtigung und Stärkung von Mädchen und Frauen. Jüngst stellten sie in Berlin ihre neue Studie „Weibliche Selbstinszenierung in den neuen Medien“ vor. Schon 2017 wies die Stiftung darauf hin, dass Frauen in Film und Fernsehen deutlich unterpräsentiert sind. Über die Ergebnisse der neuen Studie war Furtwängler „schockiert“. Frauen seien in den 100 beliebtesten Musikvideos, YouTube- und Instagram-Kanälen nur etwa halb so oft vertreten wie Männer. In Musikvideos sogar nur zu einem Drittel. Zudem seien Frauen dort oft nur sexy Zierwerk.

Was Maria Furtwängler und Elisabeth Burda an der Studie besonders nachdenklich gestimmt hat: „Junge Frauen präsentieren sich eher im privaten Raum und deklarieren ihre Tätigkeit als Hobby. Es wird genäht, gekocht, gebastelt, oft geht es auch um Mode-Beauty-Tipps“, erklärt die „Tatort“-Kommissarin. „Hauptsache, sie entsprechen in der Darstellung dem Idealbild: ,Jung, hübsch, sexy und schlank.‘ Bei den Männern ist das anders. Die können Entertainment, Politik und Comedy machen. Männer sind da dünn, dick, hübsch, hässlich, schlau, blöd, lustig oder langweilig.“

Dieses uniforme Frauenbild sei alarmierend. „Es leugnet und ignoriert in weiten Teilen weibliche Vielfalt“, betont Maria Furtwängler. Die weibliche Selbstinszenierung im Netz basiere meist auf konservativen Rollenbildern. Sie sei wenig mutig und rutsche in ein „fast hausmütterliches Geschlechter-Klischee“. Furtwängler findet das „irritierend“. Es sei wie ein Sog in die Vergangenheit, eine Rückwärtsrolle in die 50er Jahre.

Auf ihren Online-Plattformen ist die 52-Jährige „nur so zweimal in der Woche“. Sie sei eine „Gelegenheits-Guckerin“. Am Anfang sei sie in der Beziehung auch ziemlich unbedarft gewesen: „Ich dachte damals, dass Facebook ein privater, lauschiger Raum ist. Nur von mir und meinen Fans. Das war natürlich naiv. Ich war dann ganz perplex, dass meine Fotos und Kommentare in der Zeitung abgedruckt wurden. Ich musste erst lernen: Was auch immer ich poste, ist eine Veröffentlichung!“

Ob sie schon mal Fotos oder Kommentare in ihren Accounts gelöscht hat? – „Ich habe sogar schon mal alles gelöscht“, gesteht sie. „Allerdings aus Versehen. Ansonsten lasse ich fast alles stehen. Nur extreme Hass-Kommentare haben bei mir keine Überlebens-Chance und werden gelöscht.“

Auf die Frage, ob sie diese Kommentare verletzen, antwortet Maria Furtwängler: „Es geht so.“ Wie bei allem, ließen sie stupide und oberflächliche Hassnummern eher kalt. „Wenn jemand mir aber intelligent begegnet und mich konstruktiv kritisiert, dann nehme ich mir das zu Herzen und schreibe auch mal zurück.“

Wie viele Follower sie habe, wisse sie „grob“. Furtwängler: „Wäre ich in der Modelbranche, wüsste ich natürlich deutlich besser, wie extrem wichtig eine große Fan-Gemeinde ist. Follower sind da eine eigene Währung. Je mehr Follower, desto größer der Marktwert. Dieser Kampf um mehr Likes muss extrem anstrengend sein. Ich bin froh, dass ich diesem Zwang als Schauspielerin nicht unterliege.“

Als Produzentin würde Maria Furtwängler gern mit größerem Selbstbewusstsein an ihre Projekte gehen und diese dann auch entsprechend besser verkaufen. „Daran arbeite ich noch“, sagt sie gegenüber FRAU IM SPIEGEL.

2019 wird in der ARD ihr Film „Nachts baden“ gezeigt. „Die Dreharbeiten auf Mallorca haben mir viel Spaß gemacht, weil ich als Rockstar eine sehr andere Rolle spielen durfte“, erzählt sie. Charlotte Lindholm sei ja eher eine kontrollierte, rationale und spröde Frau. „Pola dagegen ein überdrehter Gefühlsmensch. Sie ist unberechenbar, launenhaft, egozentrisch, männermordend. Sie säuft, raucht und hat Tattoos. Also ganz weit weg von mir!“ Für die Rolle habe sie Gitarre gelernt und singe in dem Film drei Songs.

Ein großer Traum von ihr: „Ich hoffe, dass es mir gelingt, in diesem Jahr unseren ersten Film mit meiner kleinen Firma ,Atalante Film‘ zu produzieren.“ Beim Theaterspielen gibt es erst mal eine Pause. „Die Furtwängler auf der Bühne ist aber durchaus wieder vorstellbar. Jetzt drehe ich im Sommer erst einmal den nächsten ,Tatort‘ mit meiner neuen Kollegin Florence Kasumba“, kündigt sie an.

Glücklich mache sie, hin und wieder völlig unerklärlich in einen inneren Zustand der Euphorie zu geraten. „Dazu gehören das sich Erfreuen am Leben, Tanzen zur Musik und das Sein in der Natur. Dass es meiner Familie gut geht, ist das Wichtigste für mich. Ich spüre eine sehr intensive Dankbarkeit“, erklärt die Schauspielerin. „Für diese Glücksgefühle muss ich nur immer mal wieder Raum finden.“

Für die weibliche Selbstinszenierung in den neuen Medien hat Maria Furtwängler auch ein positives Beispiel, sogar aus ihrem persönlichen Umfeld: „Meine Nichte hatte sich wegen ihrer Zahnspange nicht mehr aus dem Haus getraut, weil sie sich so furchtbar geschämt hat. Erst durch die Instagram-Zwillinge Lisa und Lena, die in ihren Musikclips auch Zahnspangen trugen, hat sich meine Nichte wieder unter Leute gewagt und sogar gelächelt. Sie fand ihre Zahnspange dann richtig cool.“