Regisseurin Heidelinde Weis in „Meins“: „Ich hatte offenbar ein bisschen mehr zu lernen“

Heidelinde Weis, 78, ist eine Kämpferin. Dreimal hat sie den Krebs besiegt. Doch die österreichische Regisseurin und ehemalige Schauspielerin, deren Inszenierung des Theaterstücks „Jahre später, gleiche Zeit“ aktuell im Bayerischen Hof in München zu sehen ist, lässt sich von ihren Schicksalsschlägen nicht entmutigen. Wie sie ihr Leben jetzt gestaltet und woraus sie Kraft zieht, erzählt sie im Gespräch mit Meins (EVT 06. Februar).

Heidelinde Weis ist eine unglaublich positive Frau, die viel Spaß am Leben hat. In Meins verrät sie das Geheimnis ihrer Stärke: „Manche ziehen Kraft aus dem Glauben, das kann ich nicht, da ich nicht besonders gläubig bin. Ich sehe Schicksalsschläge als Herausforderungen an, aus denen ich fürs Leben lerne. Und ich hatte offenbar ein bisschen mehr zu lernen als andere.“ Orientierung fand sie im Buddhismus: „Ich habe viel über den Buddhismus gelernt, aber es wäre vermessen zu sagen, ich sie eine Buddhistin. Nein. Das halte ich auch für kaum machbar in unserer westlichen Gesellschaft. Aber ich kann aus dem Buddhismus einiges ziehen, um mich besser im Leben zurechtzufinden.“

Langeweile kommt bei ihr selten auf, auch wenn sie zugibt: „Ich bin Österreicherin. Und die Menschen aus meiner Heimat Kärnten sind ganz besonders berühmt dafür, dass sie hervorragend gammeln können. Trotzdem mache ich das viel zu selten.“ Einkaufen, Freunde treffen, Telefonieren oder Reisen – der Terminkalender der ehemaligen Schauspielerin ist meistens gut gefüllt. Besonders Wert legt sie auch auf einen guten Start in den Tag inklusive eines ausgiebigen Frühstücks: „Ich frühstücke sehr lange und lese ausführlich Zeitungen. Das sind Rituale, die mir inzwischen ganz wichtig sind.“

Zwischen „einsam“ und „allein“ zieht die Regisseurin, die sich nach dem Tod ihres Mannes 1998 einmal als Einzelgängerin bezeichnet hat, klare Grenzen: „Ja, ich komme sehr gut allein zurecht. Das heißt aber nicht, dass ich einsam bin. Ich war Gott sei Dank noch nie einsam in meinem Leben.“

Trotz ihrer schweren Vergangenheit ist die 78-Jährige glücklich mit ihrem Leben ist: „Ich schaue auf ein tolles Leben zurück. Dazu gehören aber auch die Schicksalsschläge. Herausforderungen des Lebens haben mich reifer und besser gemacht. Ich kann nicht hadern mit dem, was mir passiert ist, weil alles mich einen Schritt weitergebracht hat.“