Von Liebe und Tod Musikexperte Werner Köhler zur neuen Staffel „SWR1 Hits und Storys“

Von den Geschichten und Menschen hinter berühmten Popsongs erzählt Werner Köhler in der aktuellen Staffel der SWR1″Hits und Storys“, begleitet von der Band „Pop-History“. Am 20. Januar feiert die Show Premiere in Vallendar.

SWR1-Musikexperte Werner Köhler

Was macht für Sie ‚gute Musik‘ aus? Werner Köhler: Ganz schwer! Gute Musik hängt nicht vom Stil ab. Ich kann bei einer Bach-Suite genauso Gefühle entwickeln, wie bei einem Peter-Gabriel-Song. Gute Musik berührt mich und weckt Gefühle (…) Es passiert mir, dass ich bei bestimmter Musik einfach weinen muss.

Welcher Titel der neuen Staffel bewegt Sie am stärksten? Werner Köhler: Ich glaube das ist „Don’t give up“. Bei den ersten Proben musste ich einmal den Proberaum verlassen, weil ich Tränen in den Augen hatte. Wir haben diesmal viele Liebeslieder im Programm in verschiedensten Versionen. Bei „Don’t give up“ geht es darum, dass man in schlechten Zeiten füreinander da ist.

Welche Geschichte hinter dem Song birgt die größte Überraschung? Werner Köhler: Eindeutig: „Just a Gigolo“ vom Sänger der amerikanischen Rockband Van Halen: David Lee Roth. Man kennt das Lied aus den 50ern von Louis Prima – auch als amerikanischen Jazz-Standard, den zum Beispiel schon Louis Armstrong gespielt hat. Die meisten kennen das Lied in Englisch und halten es für ein amerikanisches Lied. Was kaum einer weiß und was ich erzähle: Das Lied stammt aus der Zeit direkt nach dem ersten Weltkrieg und beschreibt eine Szenerie im Tanzsaal des Hotels Adlon in Berlin: …Schöner Gigolo, armer Gigolo. Wir erzählen die ganze Geschichte (…).

Weshalb hat sich das Team um einen Saxophonisten verstärkt? Werner Köhler: Die Grundbesetzung der Band bleibt jedes Jahr gleich. Die Musiker und Sänger sind gut eingespielt, ergänzen sich und harmonieren. Das erleichtert die Arbeit und garantiert die Qualität. Was wir aber machen: Wir setzen jedes Jahr einen anderen musikalischen Akzent. (…) 2018 hatten wir zwei Streicherinnen (Geige, Cello) – dadurch wurden Stücke mit Streichern möglich: Nothing compares to you, Am Fenster, Cello, Eleanor Rigby. 2019, das Saxophon ermöglicht Baker Street, ein jazziger Titel wie „Just a Gigolo“ wird möglich, „It’s raining again“ oder „Urgent“ – alles Songs, die ein Saxophon brauchen.

Was ist Ihrer Meinung nach das Erfolgsgeheimnis der Show, die jetzt immerhin im vierten Jahr durch Rheinland-Pfalz tourt? Werner Köhler: Es gibt nichts Vergleichbares – diese Mischung aus Konzert, Vortrag, Revue – alles ineinandergreifend – ist sicher das eine. Dazu kommt der Glücksfall, einfach nur gute Leute dabei zu haben, die bis zum letzten Kabelträger die Show lieben und sich dafür engagieren. Und sicher kommt dazu, dass wir eine Vision haben. Ich möchte den Menschen Musik nahe bringen und meine Begeisterung teilen, weil Musik Teil unseres Lebens ist, und meiner Meinung nach auch .. Kräfte besitzt. Ich möchte den Menschen etwas mitgeben. Gefühle, Lebensfreude, ein Gemeinschaftserlebnis und auch Impulse geben zum Nachdenken über uns und unsere Welt.

Wie aufwendig muss man sich die Proben vorstellen? Welchen Vorlauf hat ein solches Programm? Werner Köhler: Zuerst Brainstorming mit Bandleader Peter Kühn. Bei Kaffee mit Laptop im Wohnzimmer wird frei gesammelt, Geschichten, Songs, Ideen. Das beginnt im Frühjahr in mehreren Sessions. Dann wird gesiebt, ausgeschlossen und geschaut, was zueinander passt und eine grobe Abfolge geplant (…) Bis zum Herbst arbeitet jeder für sich.

Ich beginne zu formulieren und die Geschichten aufzubereiten. Dabei kommt es dann oft noch zu Veränderungen, weil ich jemand bin, der spontane Ideen und Einfälle hat (im Bus, beim Einschlafen). Peter plant die Arrangements, setzt sich mit den Musikern zusammen, plant die Proben. (…) Zwischendurch immer wieder Kontakte und Ideenaustausch. Im November … Musikproben. (…). Dezember – Feinarbeit, Bühnenbedarf, Kleidung, Licht. Im Januar dann .. Probetage im Studio Kaiserslautern. .. letzte Probe am Vortag der Premiere und Generalprobe. Alles in allem beschäftigen wir uns fast ein komplettes Jahr mit einer Show.

Haben Sie alle „Story“-Geber persönlich erlebt und gesprochen? Werner Köhler: Viele meiner Geschichten habe ich aus persönlich geführten Interviews. Das ist sozusagen der Grundstock für die „Storys“. Inzwischen sind es so viele Geschichten geworden, dass dieser Grundstock nicht mehr ausreicht. Außerdem habe ich mit viele großen Künstlern (Lennon, Mercury) nicht die Möglichkeit gehabt, sie zu sprechen, aber auch ihre Songs darf man nicht verzichten. (…) Ich verwende fast nur Interviews, habe aber nicht alle selbst geführt. Einiges stammt auch aus Autobiografien. Wichtig ist, dass die Informationen aus erster Hand sind, also vom Musiker selbst so erzählt.

Findet man die „Hits-und-Storys“-Titel auch in der SWR1-Playlist wieder? Werner Köhler: Die gesamte Show orientiert sich am SWR1 Musikprogramm. Eine wichtige Rolle spielt dabei die SWR1 Hitparade. Daraus erfahren wir, ob und wie viel „Kultstatus“ ein Song besitzt. Wir achten auf große Bandbreite und suchen eine gesunde Mischung der musikalischen Epochen.

Vielen Dank, Werner Köhler! Die Fragen stellte Inken Ebenau (SWR)