Ensemble-Netzwerk: „Keine Kulturwüste in Niedersachsen“

Laura Kiehne | Das Kultusministerium Niedersachsen hat im Juni entschieden, eine bereits eingeplante und zugesagte Förderungen der kommunalen Theater im Bundesland in Höhe von 6 Millionen Euro ersatzlos zu streichen. Das bedeutet einen massiven Einschnitt für die Etats der Theater, die Löhne der Mitarbeiter*innen und in der Verlängerung auch die künstlerische Qualität. Diese Entscheidung ist unhaltbar, einige Theater sind in ihrer Existenz bedroht.

Stellungnahme vom Ensemble-Netzwerk:

>>Die Jahreshauptversammlung des ensemble-netzwerks protestiert energisch gegen die Entscheidung des Kultusministeriums des Landes Niedersachsen, die dauerhaft zugesagte Förderung der kommunalen Theater ersatzlos zu streichen. Die Förderung in Höhe von 6 Mio. Euro sollten teilweise zum Ausgleich der Versäumnisse der vergangenen Jahre (z.B. nicht geleistete Tariferhöhungen und fehlende Ausgleiche für Kostensteigerungen) eingesetzt werden. Diese 6 Mio. Euro sind vom Finanzminister des Landes ohne den Hauch einer substantiellen Begründung und auch ohne Konsultation der Betroffenen wieder gestrichen worden – dabei liegt der errechnete tatsächliche Bedarf bei mind. 9 Mio. Euro. Die Streichung dieser Mittel bedeutet massive Einschnitte für die Stadtund Landestheater in Niedersachsenund vor allem deren Mitarbeiter*innen.
In diesem Jahr haben die Bundesländer NRW, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen die Mittel für ihre Theater in Anerkennung der existentiellen Notwendigkeit, teilweise explizit für die Personalkosten der künstlerischen Mitarbeiter*innen, substantiell erhöht. Im Ländervergleich liegt Niedersachsen bei den öffentlichen Ausgaben für Kultur je Einwohner ohnehin schon an drittletzter Stelle. (Quelle: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/BildungForschungKultur/Kultur/Kulturfinanzbericht1023002169004.pdf?__blob=publicationFile Seite 36)

Es darf nicht sein, dass die kulturellen Einrichtungen in Niedersachsen abgehängt werden. Keine dauerhafte Erhöhung der Etats hat weniger Kunst alsResultat. Denn eine Schrumpfung des künstlerischen Etats bedeutet auch: Steigende Fix- und Personalkosten können nicht bezahlt werden, faire Löhne für Feste und Gäste sind nicht möglich, Stellen können nicht besetzt oder neu eingerichtet werden, die notwendige Digitalisierung stagniert und theaterpädagogische Angebote, die sich gezielt auch an junges Publikum richten, werden nicht ausgebaut. Von Öffentlichkeit und Medien wurde dieser Umstand weitestgehend unbemerkt und unkommentiert gelassen. Bisher gab es nur einen nennenswerten Artikel in der Lüneburger Zeitung.

Wir erinnern an Richard von Weizsäckers Rede in Berlin 1991: (…) Kultur kostet Geld. Sie kostet Geld vor allem auch deshalb, weil der Zugang zu ihr nicht in erster Linie durch einen privaten Geldbeutel bestimmt sein darf. (…) Kultur darf nicht etwas sein, was die öffentlichen Hände nach Belieben betrieben oder auch lassen dürfen. Substanziell hat die Förderung von Kulturellem nicht weniger eine Pflichtaufgabe der öffentlichen Haushalte zu sein als zum Beispiel der Straßenbau, die öffentliche Sicherheit oder die Finanzierung der Gehälter im öffentlichen Dienst. Es ist grotesk, dass wir Ausgaben im kulturellen Bereich zumeist “Subventionen” nennen, während kein Mensch auf die Idee käme, die Ausgaben für ein Bahnhofsgebäude oder einen Spielplatz als Subventionen zu bezeichnen. Der Ausdruck lenkt uns in die falsche Richtung. Denn Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere eigentliche innere Überlebensfähigkeit sichert. <<

Petition Rette dein Theater – Keine Kulturwüste in Niedersachsen
https://www.openpetition.de/petition/online/rettedeintheater-keine-kulturwueste-in-niedersachsen

 

Advertisements