Integrations-Praktikum für Asylsuchende bei Gira

Gira | Radevormwald | „Am liebsten würde ich die Dauer des Praktikums verlängern.“ Isa Ergin, Projektleiter in der Abteilung „Marken- und Produktpräsentation“ der Gira Giersiepen GmbH & Co. KG, ist voll des Lobes, wenn die Sprache auf seinen Praktikanten Ait Ou Tabib Ayoub kommt. „Er packt sofort mit an, ist hilfsbereit, hat eine schnelle Auffassungsgabe und erledigt alle Arbeiten selbständig“, erzählt der Elektrotechniker, der seit fast 15 Jahren für Gira tätig ist. „Ich wäre froh, wenn alle Praktikanten so engagiert wären. Alle in der Abteilung sind sehr zufrieden.“ Auch wenn die Kommunikation anfänglich nur mit Hilfe der sprichwörtlichen Hände und Füße funktionierte, gilt Ait Ayoub seinen Kolleginnen und Kollegen – so das einhellige Urteil – als „sehr gut integriert“.

Gelebte gesellschaftliche Verantwortung

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Einblicke in die Arbeitswelt in einem deutschen Industrieunternehmen: Sechs in Radevormwald lebende Asylsuchende haben bei Gira ein zweiwöchiges Integrations-Praktikum absolviert. Betreut wurden sie dabei von Mitarbeitern aus der jeweiligen Abteilung: Stefan Bärwald, Ahmed Ali, Mehrzad Zare, Biljana Branisavljevic, Ait Ou Tabib Ayoub, Guido Zimmermann, Isa Ergin, Sandra Wönkhaus, Gulizar Mustafa und Diana Traub(v.l). (Foto: Gira)

Der gebürtige Marokkaner ist einer von sechs in Radevormwald lebenden Asylsuchenden, die in diesem Frühjahr ein zweiwöchiges Praktikum beim Gebäudetechnikspezialisten absolviert haben. „Damit wollen wir in unserer direkten Nachbarschaft lebenden Asylbewerbern die Möglichkeit geben, ganz praktische Einblicke in die Arbeit und Prozesse in einem deutschen Industrieunternehmen zu gewinnen“, erklärt Diana Traub, die bei Gira im Bereich „Personal“ das Projekt organisiert und betreut hat. „So wollen wir ein Stück dazu beitragen, diejenigen, die Schutz in Deutschland suchen und hier einen Antrag auf Asyl gestellt haben, bestmöglich zu integrieren. Dies empfinden wir bei Gira als Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung.“ Bereits 2017 hatte das Familienunternehmen gemeinsam mit dem Sozialamt der Stadt Radevormwald einen Hospitationstag für Asylsuchende angeboten.

Betreuung durch Paten

Die Auswahl für das diesjährige Integrations-Praktikum erfolgte in Abstimmung mit dem „Integration Point“ des regionalen Jobcenters und dem Sozialamt der Stadt Radevormwald. Ausschlaggebend waren dabei die Deutschkenntnisse, die Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, Eigenverantwortung zu übernehmen. „Besonders wichtig war uns, dass wir unserer einen Praktikantin und unseren fünf Praktikanten jeweils eine Patin bzw. einen Paten aus unserer Belegschaft zur Seite stellen konnten, die auf freiwilliger Basis die Betreuung vor Ort in der Abteilung übernommen haben“, hebt Diana Traub hervor. „Denn nur so kann es zu einem gegenseitigen Kennenlernen kommen – im Idealfall auch über den Arbeitsalltag hinaus.“

Dies hat offenbar durchweg gut funktioniert. „Die Menschen bei Gira sind alle sehr freundlich“, berichtet Gulizar Mustafa. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin aus dem Irak hat während ihres Praktikums in verschiedenen Abteilungen in der Produktion und Logistik beim Mittelständler aus dem Bergischen Land gearbeitet. „Die Tätigkeiten waren sehr abwechslungsreich“, freut sie sich. „Ich habe sehr viel gelernt, meine Sprachkenntnisse verbessert und meinen deutschen Wortschatz um viele neue Wörter erweitert.“