Theaterleute nehmen ihre Zukunft in die Hand

WE ARE NOT ALONE

PastedGraphic-2-1Laura Kiehne | ensemble-netzwerk.de | Vom 4.-6. Mai 2018 fand am Schauspielhaus Bochum und am Prinzregenttheater das Triptychon zur Gegenwart der Darstellenden Künste des ensemble-netzwerks e.V. statt:

Die Konferenz des jungen ensemble-netzwerks, die 3. Bundesweite Ensemble-Versammlung und die Parade der Darstellenden Künste. Mit über 350 Teilnehmenden waren die beiden Konferenzen die bisher größte Versammlung dieser Art. An der abschließenden Parade beteiligten sich weit mehr als 750 Theaterschaffende.

Abseits des Triptychons versammelte das regie-netzwerk bei seiner 1. Tagung HASS NEID
MISSGUNST über 70 Regisseur*Innen. Wichtige Themen waren dabei die Verbesserung von Produktionsbedingungen an Landes-, Stadt- und Staatstheatern sowie der ‚Freien Szene‘. Außerdem wurde über Unterbezahlung, Altersarmut und mehr Honorargerechtigkeit gesprochen. Der Zusammenschluss zu einer  Interessensvertretung der Berufsgruppe war längst überfällig und erhält überwältigende
Resonanz. Für die Zukunft sind Tagungen, Workshops und weitere Veranstaltungen geplant.

Bei der Konferenz der Theaterstudierenden im Prinzregenttheater am 3. Mai wurden im Dialog  zwischen Lehrenden und Studierenden unterschiedlicher Hochschulen und Studiengängen  Input-Vorträge und Gesprächsrunden zu verschiedenen Ausbildungsthemen abgehalten.

Schwerpunkte waren hierbei das professionelle Lehrverhältnis an den Hochschulen, Vermittlungsquoten, alternative Berufswege und studentische Möglichkeiten des hochschulund theaterpolitischen Engagements.

In den Eröffnungsreden bei der 3. Bundesweiten Ensemble-Versammlung am Schauspielhaus  Bochum am Freitag, dem 4. Mai betonten Olaf Kröck (Intendant Bochum), Hasko Weber  (Generalintendant Weimar), Janina Benduski (Vorsitzende Bundesverband Freie Darstellende  Künste), Angelika Zacek (Pro Quote Bühne), Harald Wolff (Dramaturgische Gesellschaft) und  Lisa Jopt (Vorsitzende ensemble-netzwerk) die dringende Notwendigkeit von Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen für Künstler*innen und Geschlechtergerechtigkeit am  Theater. Wolff brachte es mit dieser Formel auf den Punkt: „Seit den 80iger Jahren gibt es  50% mehr Vorstellungen, 50% kleinere Ensembles und 50% weniger Gage für die einzelnen Künstler*in“. So könne es nicht weitergehen.

Der Samstag wurde zum Tag der Teilnehmenden. In einem konzentrierten Open Space
arbeiteten 250 Theaterschaffende an den wichtigsten Themen ihres Berufsalltags:

Vergütung, Mitbestimmung, Erweiterung der Aktion „40.000 Theatermitarbeiter*innen treffen ihre Abgeordneten“, Arbeitszeiten, Gendergerechtigkeit, Leitungsstil, Kommunikation, Möglichkeiten des Engagements – um nur einige der 30 Themenfelder zu nennen, wurden diskutiert.

Am Abend fand abseits des offiziellen Programms zum ersten Mal ein Treffen der bundesweiten Theater-Interessenverbände statt: Neben Deutschem Bühnenverein, GDBA, BFDK, Dramaturgischer Gesellschaft waren art but fair, Pro Quote Bühne, das regie-netzwerk, die Ständige Konferenz Schauspielausbildung und natürlich das ensemble-netzwerk vertreten. Geladen hatte der Bund der Szenograf*innen.

Die Bundestagsabgeordneten Helge Lindh (SPD) und Michel Brandt (DIE LINKE) waren als Gäste mit dabei. Das Ergebnis des Treffens ist eine gemeinsame Presseerklärung, in der sich alle Verbände für eine Etaterhöhung des Fonds Darstellende Künste einsetzen. Dazu Dieter Ripberger, vormals Referent der Staatsministerin für internationale Kulturpolitik Michelle Müntefering, und ab der Spielzeit 18/19 Intendant des Zimmertheater Tübingen: „So eine Solidaritätserklärung unterschiedlichster Verbände hat es noch nie gegeben. Das ist historisch.“

Der Sonntag begann mit einem Best-Practice-Podium „Wege zum Glück“. Michel Brandt  (Bundestagsabgeordneter DIE LINKE, Schauspieler), Dr. Alexandra Manske (Soziologin) und Adil Laraki (Betriebsratsvorsitzender Theater und Philharmonie Essen) diskutierten darüber, wie moderne Interessenvertretung in der Darstellenden Kunst gestaltet werden sollte, Moderatorin war die Schauspielerin Anica Happich.

Höhepunkt des Tages war dann die „Parade der Darstellenden Künste“, eine Demonstration für die Relevanz der Darstellenden Künste in einer freien, demokratischen, inklusiven und diversen Gesellschaft. Das ensemble-netzwerk hatte mit 300 Teilnehmer*innen gerechnet, doch es kamen über 750!

Bei bestem Wetter entstand ein langer, bunter Demonstrationszug, dessen Ende man nicht sehen konnte. Bunte Plakate, wilde Tanzeinlagen, Tierkostüme und Posaunen waren Teil des eindrucksvollen Zugs. „Wir denken immer, dass wir allein sind, doch das stimmt nicht – dieses Gefühl eint uns“, sagte eine glückliche Lisa Jopt, die die Parade initiiert hatte. Jürgen Vogel sagte: „Ich mache seit 33 Jahren Film. Ich habe noch nie Anspruch auf Arbeitslosengeld gehabt, weil ich diese 180 Tage nicht vollgekriegt habe. Was in meinem Fall nicht so schlimm ist, weil ich das Schwein hatte, immer gute Arbeit zu haben. Aber ganz viele andere, die ich kenne, die mich jahrelang begleitet haben, haben dieses Glück einfach nicht. Und ich glaube, dass das hier jetzt ein guter Anfang ist, um das zu ändern, zusammenzustehen und Nein zu sagen.“

„Eine Parade mit Schönheit und Stolz“, schwärmte die WAZ auf ihrer Titelseite. Und Johannes Maria Schatz, Vorsitzender von art but fair resümierte: „Eine solche Veranstaltung hat die Theaterlandschaft in Deutschland bisher noch nicht gesehen“.

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